MaZ: Halbzeit

Anders als zu Hause war von Winter hier in den letzten zwei Monaten keine Spur. Hitze, täglich um die 40 Grad, manchmal sogar 50, darauf folgende Gewitter und sogar ein Sturm, der bei mir hier in Roca einige Häuser abgedeckt und zahlreiche Bäume umstürzen lassen hat. Gott sei Dank ist im Altersheim nichts Großes passiert, außer dass eine Palme umgestürzt ist. Aber der Reihe nach.

Das Jahr 2016 habe ich mit einem Arbeitskollegen aus dem Altersheim bei seinem Freund, dem Vizebürgermeister aus Roca begonnen. Es war eine wirklich schöne Feier, da dieser einige seiner Freunde zum "Asado" in sein Haus einlud. Zwar hätte ich es lieber zu Hause im Kreise der Familie oder Freunde gefeiert, dennoch war es echt nett und lustig.
Den Januar verbrachte ich sonst relativ unspektakulär, da man eben auch bei der Hitze recht wenig machen konnte.

Ende Januar allerdings machte ich mich dann auf den Weg zum Zwischenseminar und ich war auch echt froh, dass ich nun mal richtig raus und auf Reisen komme, meine Mitfreiwilligen sehe und auch so mal bisschen raus aus dem Alltag komme. Es ging also einige Tage vor dem Seminar mit dem Bus in Richtung Bolivien, wo das Zwischenseminar stattfand. Ganze vier Tage saß ich im Bus, die ersten zwei alleine, um nach Bolivien zu gelangen und das obwohl ich schon im Norden Argentiniens wohne. In Bolivien angekommen musste ich erst mal eine Nacht auf den nächsten Bus warten, der mich zu meinem Zwischenziel Sucre bringen sollte.
Glücklicherweise traf ich an der bolivianischen Grenze zwei Studenten aus Deutschland und Spanien, die ebenfalls das Ziel Sucre hatten, wodurch das gar nicht mal so tragisch war, dass es keine direkte Busverbindung gab. Also suchten wir uns ein billiges Hostel und nahmen dann am nächsten Tag den direkten Bus nach Sucre.
Als der Bus ankam, dachte ich es wär ein schlechter Scherz, die Motorhaube halb auf, tausende Fliegen auf der Windschutzscheibe und nicht zu verschließende Fenster. Es wurde mir schon etwas mulmig, als ich daran dachte, dass mich dieser Bus nun in 20 Stunden nach Sucre bringen soll. Aber na ja, ich und die beiden Studenten saßen uns ein wenig ängstlich in den Bus und erschraken aufs Neue, als wir nach ca. einer Stunde auf einen unasphaltierten Sandweg abbogen.
Der Höhepunkt war dann als wir irgendwann einen Berg überqueren mussten, der mindestens 800 Meter hoch war. Ich will wirklich nicht wissen, wie oft auf diesem Weg ein Rad des Busses schon in der Luft lag – ich fing zwischendurch sogar an, zu beten, dass wir heil ankommen – aber es ging alles gut und wir kamen am nächsten Morgen in Sucre an.

Dort erwartete mich schon eine Mitfreiwillige, Lara, die mit ihrer Projektpartnerin schon dort war und auf mich wartete, um ein wenig Zeit vor dem Seminar zu nutzen, um uns etwas in Bolivien anzuschauen. Nach einem kleinen Erholungsurlaub machten wir uns dann direkt nach Cochabamba – wo das Zwischenseminar stattfand – auf, um rechtzeitig anzukommen.
Die Freude war riesig, meine "Compañeros" und auch unsere Wegbegleiter Sr. Bettina und Magdalena wiederzusehen und in die Arme zu schließen. Wie gewohnt, folgte ein intensives Seminar, in dem es primär um eine Auswertung unseres Dienstes bis jetzt ging sowie einem Ausblick für das, was kommt, zu wagen.
Außerdem beschäftigten wir uns mit konkreten Problemen, die uns in unserem Einsatz aufgefallen sind. Fünf Tage verbrachten wir zusammen in einem ärmeren Barrio (Randbezirk) von Cochabamba, wo Steyler Schwestern ein alternatives Gesundheitszentrum errichtet haben.

Wir wurden vor der Anreise darauf aufmerksam gemacht, dass die Unterkunft sehr einfach sei und es kein fließendes Wasser gebe. In Wahrheit war der Ort über dem Stadtkern Cochabambas aber wunderhübsch und auch mit dem Wasserproblem wusste man umzugehen.
Eine rundum schöne Woche, die dann mit einem Kulturabend abgeschlossen wurde, an dem alle MaZe einen länderspezifischen Beitrag leisteten, beispielsweise einen Tanz, typisches Essen oder Trinken oder Sketche. Der Höhepunkt des Abends war allerdings ein Folklorelied der "Misioneros con corazon". Diese in weiten Teilen Südamerikas bekannte Band bestand aus zwei Mitfreiwilligen und mir, die auf die doofe Idee kamen, ein Lied in Spanisch mit Gitarrenmusik begleitet zu erdichten und den Schwestern, die für uns gekocht haben als Dank zu singen.

Nach den schönen Tagen in Cochabamba, in denen ich wirklich super Kraft für das zweite halbe Jahr tanken konnte, ging es dann wieder zurück nach Argentinien, allerdings zuerst nach Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens. Diesen Umweg musste ich machen, um mein Visum zu verlängern, das diesen März abläuft. Darum verbrachte ich noch ein paar Tage in Buenos Aires bei der Familie von Sr. Ana, der Schwester, die auch hier in Roca wohnt und mit den Ureinwohnern arbeitet.
Es waren nochmal super erholsame Tage, in denen ich sogar aufgrund meines Termins bei der deutschen Botschaft noch ein wenig vom Zentrum des sog. "Paris Lateinamerikas" zu sehen bekam; und es ist wahr, das Zentrum von Buenos Aires ist sehr, sehr europäisch geprägt. Außerdem besuchte ich noch die Patronin meines Einsatzlandes, die Virgen (Jungfrau Maria) von Lujan.

Danach ging es wieder zurück ins Projekt, zurück nach Hause zu den Alten und zu Sr. Berta, die mich alle recht herzlich begrüßten und meinten, wie sehr ich gefehlt hätte. Und ja, seit dem bin ich wieder im Alltag drin.
Vor Kurzem bekamen wir im Altersheim sogar Besuch von einer Giftschlange, die wir aber glücklicherweise getötet haben, bevor sie uns töten konnte. Außerdem gibt es jetzt zwei neue Schwestern hier in Roca, die superlieb und jung sind, Sr. Candidad aus Indonesien und Sr. Vero, die grade mal 29 ist.
Zudem feierten wir den Patron von Roca, San Casimiro, in unserer Gemeinde. Auch die Fastenzeit, die Karwoche und letztendlich Ostern habe ich sehr intensiv, ein wenig anders, aber trotzdem wirklich schön erlebt.

In zwei Wochen, am 10. April feiern wir dann den 30. Geburtstag des Altersheims und sind jetzt schon in den Planungen. Dazu kam diese Woche die erleichternde Botschaft von PAMI, der staatlichen Finanzierungsorganisation unseres Heims, dass nun nach mehr als sechs zahlungslosen Monaten, wieder das Geld kommt, was eine unglaubliche Erleichterung für alle ist, da das Altersheim, Sr. Berta und das Personal, das lange Zeit auf sein Geld warten musste, viel leiden musste.

- Paul