Wenn ich an mein Jahr mit Straßenkindern auf den Philippinen zurückdenke, fällt mir auf, wie schnell die Zeit vergangen ist. Es sind noch fünf Wochen und dann ist ein ganzes Jahr vergangen und ich muss wieder nach Hause fliegen. Während ich mich auf meine Heimreise vorbereite, überfluten mich gemischte Gefühle. Einerseits bin ich unsicher und habe Schuldgefühle, weil ich diese Kinder wieder zurücklassen muss. Ich habe Angst, sie im Stich zu lassen, nachdem wir gemeinsam eine Beziehung aufgebaut und Fortschritte gemacht haben.
Andererseits spüre ich aber auch eine gewisse Vorfreude und Sehnsucht nach meinem Zuhause. Die Philippinen haben mich unschätzbare Lektionen über das Leben gelehrt: Lektionen über Widerstandsfähigkeit, Mitgefühl und die raue Wirklichkeit des Überlebens. Es war eine tiefgreifende Erfahrung, die mich herausgefordert hat, das Leben auf eine Weise zu verstehen, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte.
Bevor ich aber zu traurig werde von meinen eigenen Worten, erzähle ich euch lieber von den schönen Dingen, die in den letzten Monaten passiert sind. Eines der schönsten Erlebnisse während meines Aufenthalts war, meinen Geburtstag mit den Kindern von Balay Samaritano, meine Kolleg*innen, meinen Eltern und meiner guten Freundin Thao aus Deutschland zu feiern. Der 7. Mai war der außergewöhnlichste Geburtstag meines Lebens, ein Tag, der mir immer in Erinnerung bleiben wird. Es war ein Tag voller Liebe, Freude und unerwarteter Überraschungen. Als ich ankam, wurde ich von glücklichen und strahlenden Gesichtern begrüßt und von den Kindern mit offenen Armen empfangen. Dabei wurde ganz laut ein Niederländisches (meine Muttersprache) Geburtstagslied gesungen. Wenn ich auf diesen Tag zurückblicke, wird mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann, am Leben dieser Kinder teilhaben zu dürfen. Sie haben mir so viel mehr gegeben, als ich jemals hätte denken können, und dafür bin ich unendlich dankbar. Mein Herz ist voller Liebe und Freude, und ich werde diesen Geburtstag für immer als einen der schönsten Momente in meinem Leben in Erinnerung behalten.
Balay Samaritano strahlt. Es funktioniert jetzt endlich so, wie ich es mir am Anfang vorgestellt hatte. Es hat einige Zeit gebraucht, um eine schöne Routine finden, aber wir haben es geschafft. Jeden Tag sind wir mit mehr Kindern gesegnet, als wir uns jemals vorgestellt hätten, die gerne an unseren Aktivitäten teilnehmen. Wir beschäftigen die Kinder mit einer Vielzahl an unterhaltsamen Aktivitäten. Wir knüpfen Armbänder, backen Cupcakes, haben Mathematik- und Englischunterricht und jeder Tag ist voller Lernen und Lachen. Die Spielzeit ist immer ein Hit und die Kinder lieben es, gemeinsam zu singen und zu tanzen. Sogar meine Bisaya Sprachkenntnisse haben endlich einen Punkt erreicht, wo ich Konversation verstehen kann und ab und zu einen Satz mitreden kann.
Eine weitere gute Nachricht ist, dass unsere Klassenräume in Balay Samaritano renoviert wurden. Die Klassenzimmer waren renovierungsbedürftig und es hat zwei Monate gedauert. In den zwei Monaten haben wir hauptsächlich auf dem Boden im Vorgarten gespielt und an Tischen im Hinterhof gemalt. Aber das ist jetzt vorbei. Wir haben sogar ein extra Klassenzimmer bekommen. Es war früher ein Lagerraum, aber jetzt ist es ein schönes Klassenzimmer geworden. Da wir jetzt zwei Klassenräume haben, können wir die Kinder in zwei Altersgruppen aufteilen und das funktioniert prächtig!
Ich hatte auch das Glück, hier wunderbare Freund*innen zu finden, und ich bin von so vielen liebevollen und gutherzigen Menschen umgeben. Von den Einheimischen, die mich mit offenen Armen empfangen haben, bis zu den Freund*innen, die ich auf meinem Weg gefunden habe.
Ich schicke euch die allerbesten Wünsche aus Cebu City. Die Regenzeit ist in vollem Gang und wenn das so weiter geht, muss ich bald schwimmend zur Arbeit anstatt laufend.
Viele liebe Grüße,
Amarins





