Nun ist schon Weihnachten und das Jahr ist fast vorbei. Ich persönlich finde ja, um in Weihnachtsstimmung zu kommen, muss es kalt sein. Dementsprechend beneide ich euren weißen Winter in Deutschland gerade sehr. Hier ist im Moment Regenzeit, dadurch ist es zwar etwas kühler, aber trotzdem habe ich erst am 23. wirklich realisiert, dass Heiligabend ist. Die Filipinos hingegen hören schon seit Anfang September Weihnachtsmusik und hängen Dekorationen auf. Ich werde euch hier ein bisschen von meiner Advents- und Weihnachtszeit erzählen.
Auf den Philippinen hat die Misa de Gallo eine lange Geschichte. Es handelt sich dabei um eine neuntägige Reihe an Messen vor Weihnachten. Traditionell beginnt jede Messe um vier Uhr morgens, manchmal wird sie aber auch am Abend davor abgehalten. Spanische Missionare haben den Brauch im 17. Jahrhundert eingeführt, damit auch die Bauern vor der Feldarbeit in die Messe gehen konnten. Viele Filipinos glauben, dass einem ein besonderer Segen zukommt, wenn man alle neun Messen abgeschlossen hat. Auch wir haben mitgemacht.
Da im Provinzhaus viele ältere Schwestern leben, starteten die Messen dort immer um fünf Uhr morgens. An einem Tag sind wir in eine Nachbarkirche gegangen und mussten schon um drei Uhr aufstehen. Dafür war die Messe aber sehr schön, es wurden viele Lieder gesungen und alles war mit Lichtern geschmückt. Insgesamt fand ich es zwar schön und interessant, das Ganze einmal mitzumachen, ich muss aber gestehen, dass ich das frühe Aufstehen nicht unbedingt wiederholen muss :)
Neben der festlichen Stimmung klingt leider an vielen Orten noch der Taifun von Anfang November nach. Noch immer haben Menschen kein Zuhause und können nur schwer ihre Familien ernähren. Die Schwestern tragen ihren Teil dazu bei, diesen Menschen zu helfen. Regelmäßig werden Hilfstaschen an Betroffene ausgeteilt. In diesen Taschen sind meist Kleidung, Wasser, Konserven, Kekse und Reis. Viele unserer Nachmittage haben wir damit verbracht, diese Taschen zu packen. An einem Samstag sind wir sogar mit nach Balamban, eine Stadt auf der anderen Seiter der Insel, gefahren und haben die Taschen mitausgegeben.
Im Balay Samaritano haben wir in der Adventszeit viele weihnachtliche Dinge gemacht. Die Kinder haben die Weihnachtsgeschichte von Maria und Josef kennengelernt und ausgemalt, kleine Engel und andere Dinge aus Klopapierrollen gebastelt und Weihnachtssterne dekoriert. Am 22. Dezember haben wir dann eine Christmas Party gefeiert. Es gab gutes Essen (sogar ein Eis für jeden) und reichlich Geschenke für die Kinder. Spielsachen, Säcke an Reis, Notizbücher und ähnliches waren vorher als Spende eingegangen.
Einen Tag später stand die Christmas Party für uns Angestellten an. Wir haben kleinere Spiele gespielt, wie zum Beispiel Reise nach Jerusalem und Zeitungstanz. Nach dem Essen wurden Geschenke ausgetauscht, da wir gewichtelt haben. Das war für mich der erste Moment, indem ich realisiert habe, dass Weihnachten ist. Die Geschenke waren alle schön eingepackt und auf dem Tisch hergerichtet. Fast so wie daheim. Das Heimweh war in diesen Tagen ein immerwährender Begleiter, aber ich war gleichzeitig froh von ganz tollen Menschen umgeben zu sein und ein Teil von deren Weihnachten sein zu dürfen.
An Heiligabend wird traditionell um Mitternacht Messe gefeiert, danach gibt es dann die Geschenke. Freund*innen und Verwandte feiern am 25. Da wir in einer Kommunität leben, sah unser Weihnachten etwas anders aus. Am 24. fand die Messe bereits um 18 Uhr statt, danach gab es ein üppiges Essen. Mit einigen Schwestern und den Angestellten haben wir dann im Anschluss bis tief in die Nacht Karaoke gesungen. Am 25. gab es kein Programm, da bereits eine Woche zuvor eine kleine Weihnachtsfeier stattgefunden hatte. Es war also einfach ein freier Tag für alle.
Die Weihnachtszeit endet hier nicht mit dem letzten Feiertag oder dem neuen Jahr. Es wird bis Mitte Januar gefeiert, bis das Sinulog Festival ablöst. Dabei handelt es sich um eine mehrtägige Feier, die primär in Cebu City abgehalten wird. Durch Paraden und Tänze wird Santo Nino (das Jesuskind) gefeiert und die Geschichte erzählt, wie den Philippinen durch Missionare das Christentum gebracht wurde. Man fühlt schon jetzt, einige Wochen vorher, die Vorfreude, wenn man durch die Stadt läuft. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr. Wie das werden wird, erzählt sicherlich einer meiner Mitfreiwilligen im nächsten Bericht.
Caro



