Nach fast sieben Monaten bin ich als MaZ in Madrid gut angekommen. Vor allem beim “Mitbeten“ hat sich bereits so einiges ergeben. Die Kommunität der Schwestern liegt im Zentrum der Hauptstadt Spaniens. Sonntags gehen wir, Corinna, meine Mit-MaZ, und ich immer gerne zur Abendmesse und singen mit den Schwestern und einigen Frauen aus dem nahegelegenen Frauenzentrum im Chor, wodurch ein ganz besonderer Moment der Woche entsteht. Schon am Samstagabend gehe ich gerne zum Abendgebet der Schwestern, wo wir über das Evangelium des Sonntages sprechen. Am Anfang meiner MaZ-Zeit hat mir diese inhaltliche Vorbereitung sehr geholfen. Der Austausch mit den Schwestern hat mir schon einmal die Thematik nähergebracht, wodurch man der Messe und im Besonderen der Predigt besser folgen konnte. Sonst besteht auch oft unter der Woche die Möglichkeit, an den Abendgebeten der Schwestern teilzunehmen. Diese bilden meist einen Ankerpunkt, einen Ort zum Innehalten und Reflektieren. Dies kann im Fluss der Woche durchaus sehr hilfreich sein, um neue Kraft zu tanken und Erlebtes zu verarbeiten.
Wie Corinna bin auch ich im Frauenzentrum tätig, wo die Schwestern vertreten sind. Dazu bin ich zwei Mal in der Woche in einer Residenz für ältere Menschen und abends bei „CEDIA 24h“ und “CEDIA mujer“, beides sind Notzentren für Menschen ohne Wohnsitz.
Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich gerne zu den regelmäßigen Treffen der Jugendgruppe der nahegelegenen Kirche „Santa Cruz“, wo sonntags auch die Abendmesse stattfindet. Der Gemeindeleiter legt großen Wert auf integrative Jugendarbeit, wodurch oft Treffen zum Austausch und gemeinsame Aktivitäten stattfinden. Zum Beispiel befassen wir uns mit dem Leben und Werk einzelner Heiliger, um diese kennenzulernen und zu erfahren, was wir daraus für unser Leben mitnehmen können. Einmal im Monat findet zudem ein Anbetungsgottesdienst von und für Jugendliche statt. Dort beteilige mich bei der musikalischen Begleitung im Chor, wo wir passende Lieder zur Liturgie heraussuchen und darbieten. Auch zu den Festtagen der Heiligen ist diese Gemeinde aktiv, da sie vor allem mittwochs von Gläubigen besucht wird, die zum Heiligen Judas Thaddäus beten, der sich bei schwierigen und unmöglich erscheinenden Aufgaben für diese einsetzt, wodurch auch eine große Prozession durch die umliegenden Straßen Madrids ihm zu Ehren stattfand.
Auch die Kathedrale Almudena hat verschiedenste Angebote zur Auslebung des christlichen Glaubens zu bieten. Zum Beispiel gibt es ähnlich wie in Santa Cruz Abendgebete, an denen viele Jugendliche aus den verschiedensten Stadtvierteln Madrids zusammenkommen und gemeinsam beten. Man kann dort aber auch zu thematisch reizvollen Messen hingehen. Eine fand zum Beispiel zum Anlass der Woche der Armen statt, in welcher wir viele Leute von Caritas und aus den Projekten getroffen haben. Anschließend gab es für alle Schokolade mit Churros und es hat sich das ein oder andere Gespräch ergeben.
Die Diözese Madrids organisiert viele solcher Veranstaltung, so auch in der Woche der Menschen, die ihr Leben Gott widmen. Bei „luces en Madrid“ können junge Menschen das Leben in verschiedenen Kongregationen kennenlernen. Ich war im Schwesternkonvent der „Concepción Franciscana“. Diese gehen einem kontemplativen Lebensstil nach, in dem sie in Stille und Gebet den Kontakt zu Gott suchen. Wer einer sehr geordneten und disziplinfordernden Tagesstruktur nicht abgelehnt ist, in Stille und Zurückgezogenheit zu Gott findet und sich dazu berufen fühlt, ist dort dem Anschein nach gut aufgehoben. Das bestätigten zumindest die zwei ältesten Schwestern, die seit ungefähr siebzig Jahren in diesem Konvent leben. Die acht Schwestern sind zwischen 26 und 92 Jahren alt und ebenso internationaler Herkunft wie die Schwestern der „Misioneras Siervas del Espíritu Santo“, mit denen ich bis dahin viel Zeit verbracht hatte. Es war interessant, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Schwesterkongregationen kennenzulernen.
Doch auch nahe unserer MaZ-Wohnung in Alcorcón kann man in der Gemeinde „Virgen del Alba“ einer Kommunität der Brüder der Steyler Missionare viel erleben. Neben der lebhaften Kindermesse Sonntagmittag, durfte ich bei der Katechese dabei sein und bei besonderen Messen. Als Jugendliche haben wir eine Abendmesse mit „Manos Unidas“, einer katholischen Hilfsorganisation, die ihren Sitz in Madrid hat und auf den Hunger in der Welt aufmerksam macht und dagegen vorzugehen versucht, vorbereitet und durchgeführt. Nach der Messe gab es ein angenehmes Beisammensein und wir haben Brot mit Olivenöl untereinander geteilt.
Als MaZ durften wir auch schon die Kommunität der Brüder „Altagracia“ im Norden Madrids kennenlernen. Wir waren beim Adventsbasar und beim 150-jährigen Jubiläum der Steyler Missionare dabei, woran auch die philippinische, afrikanische und polnische Kaplanstelle mitgewirkt haben und auch die anderen Bruder- und Schwesternkommunitäten vertreten waren. Es war ein einzigartiges Zusammentreffen, das wieder mal zeigt, wie vielseitig unsere Welt sein kann und wie schön es ist, diese Vielfalt zu leben und sich im Gebet zusammen zu finden.
Diese Erkenntnis wurde mir auch bei der „Javierada“ bestätigt, als wir mit ein paar der Seminaristen der Steyler Missionare, zwei Schwestern, einigen Jugendlichen aus Alcorcón und Sevilla, einer Gruppe aus Portugal und einer Gruppe der philippinischen Gemeinde - wir waren rund 50 Leute - zusammen nach Navarra gefahren sind. Es handelt sich dabei um eine kleine Pilgerwanderung zur Burg des Heiligen Francisco Javier, die an zwei Wochenenden im März stattfindet. Etwa fünf Stunden nordöstlich von Madrid trafen wir also ganz viele junge und ältere Pilger*innen, die nach Javier gepilgert sind, um anschließend die kleine gemütliche Kirche zu bestaunen und in der Messe und Gemeinschaft Stärkung für ihre Mission zu finden.
Nach diesem beeindruckenden Treffen sind wir mit dem Bus weiter zur Gemeinde in Villatuerta nahe Pamplonas gefahren, in welcher wir übernachtet haben. Es gab ein kleines Festessen, eine warme Dusche und einen gemütlichen Kulturabend, um sich näher untereinander kennenzulernen. Der Sonntag begann mit Zeit zum Austausch und zur Reflexion. Wir sprachen darüber, welche Ängste und Sorgen wir im Rucksack unseres Lebens mit uns umhertragen, wann eine Begegnung mit Gott einmal unser Leben verändert oder beeinflusst hat und wie wir mit dieser oder der Erfahrung der „Javierada“ weiter Jesus folgen und leben wollen. Im Anschluss gab es eine Messe mit der Dorfgemeinde, die sich sehr über den jungen Besuch gefreut hat. Dann ging es für uns wieder auf den Rückweg nach Madrid. Bei einem kleinen Zwischenstopp durften wir noch die Kommunität der etwas älteren Brüder in Estela kennenlernen, wo sich auch der Verlag der Kongregation befindet. Alles in allem war es also ein sehr aufregendes Wochenende der Begegnung, Reflexion und des spirituellen Wachstums, welches leider viel zu schnell wieder vorbei war.
Somit lässt sich festhalten, dass es in Madrid nie langweilig wird, man sich mit dem Aufruf des Papstes, zu Pilger*innen der Hoffnung zu werden, auf verschiedenste Weisen auseinandersetzen kann und dabei eine Menge neuer Leute und sich selbst besser kennenlernt. Man wird dabei von einem aufregenden und erfüllenden Gefühl begleitet, welches einen bestärkt und ermutigt für alles, was noch kommen mag.
Klara







