Die folgende Situation ist ganz typisch für unsere Zeit auf Timor-Leste: Eben noch entspannt beim Frühstück gesessen, zusammen gequatscht und schnabuliert und uns auf den bevorstehenden Arbeitstag gefreut, doch dann ging es auf einmal ganz schnell. Hastig wuschen wir unsere Teller ab und sprangen ins klostereigene Microlet (Kleinbus), um die Fischer nach ihrem nächtlichen Fischfang abzufangen. Es folgte ein kleiner Sprint über Sand, Stock und Stein, mit jedoch schönem Panorama bei Sonnenaufgang. Ein wenig außer Atem erreichten wir gerade noch die Fischer, welche soeben ihre Boote aus dem Wasser zogen. Letztendlich gelang es uns, genug Fisch für die Kommunität zu ergattern.
„Moris mak hanesan nee” oder um es im lokalen Dialekt zu sagen „Moas te pernua sai”. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „So ist das Leben halt”. Ein Motto, dass alle Menschen hier verinnerlicht haben, denn Spontanität ist hier Alltag. Egal ob spontaner Fischeinkauf am Morgen, ein spontanes Fest in den Bergen oder ein zügiges Ziegenvertreiben, um unser selbstangebautes Gemüse zu schützen. Solche unangekündigten Ereignisse bereichern hier immer wieder unseren Alltag.
Noch vor einem Jahr standen wir wie alle Abiturient*innen vor der furchteinflößenden Frage, wie geht es denn jetzt weiter? Und jetzt? Jetzt leben wir schon seit drei Monaten hier in Timor-Leste, einer Insel mitten im pazifischen Ozean. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht hier Tetum oder einen lokalen Dialekt. Zwischen Wald und Meer wohnen wir in einer Kommunität mit acht Ordensschwestern. Unser Arbeitsplatz ist die von den Schwestern gegründete Schule direkt nebenan. Hauptsächlich unterrichten wir dort Englisch. Um die Kinder spielerisch zum Englischsprechen zu ermutigen, sind wir im Moment dabei, ein regelmäßiges Freizeitangebot am Nachmittag einzurichten. Dabei ist das Angebot eine vielseitige Abwechslung, bei der nicht nur die Kinder, sondern auch wir viel Spaß haben.
Auch wenn das Leben hier ganz anders ist, haben wir es dennoch bereits zu schätzen gelernt. Denn neben herzlichen und aufgeschlossen Menschen, hat das Land auch kulturell so einiges zu bieten. So sind die Menschen hier besonders stolz auf ihre traditionelle Kleidung und kulturellen Tänze. Auch uns haben die Tänze mit den außergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten schwer beeindruckt. Die Musik ist hier ein ständiger Begleiter des alltäglichen Lebens. So singen auch wir, inzwischen aus vollem Hals und nicht mehr ganz so schief, mit unseren Arbeitskollegen*innen im Lehrer*innenzimmer. Ebenso sind wir bei jedem Tanz sofort zur Stelle.
Zweifellos stellen die neue Kultur und das Land uns vor so manche Herausforderungen. In Tetum zu unterrichten, einer Sprache, die uns bisher völlig unbekannt gewesen war, ist manchmal gar nicht so einfach. Dazu kommen noch die zu bewältigen Schwierigkeiten des Alltags, wie etwa das Waschen der Wäsche von Hand, das Kochen über dem Feuer oder die unterschiedlichsten alltäglichen Arbeiten, die die Menschen hier mit größtem Geschick verrichten. Und wenn dies Alles unter der erbarmungslosen Sonne Timor-Lestes geschieht, dann raucht einem manchmal ganz schön der Kopf.
Nichtsdestotrotz erleben wir zahlreiche Momente, die unser Herz mit Dankbarkeit erfüllen. Wir sind froh, den Mut gefunden zu haben, uns auf diese Reise mit Gott und den Menschen einzulassen.
Pia und Ben





