Ein Beispiel: Als ich letztens mit einem Kollegen zum Reispflanzen ausgerückt bin, hatten wir uns für 10:20 Uhr an der Straße verabredet. Während ich, der selbst zu spät kam, noch mit dem Nachbarn ein Schwätzchen halte, kommt mein Kollege auch schon angefahren. Am Reisfeld angekommen, wartet bereits der halbe Stammbaum (die Familie unterstützt sich stets gegenseitig bei den verschiedensten Arbeiten und kann auch sonst als absolut zentrales Element gesehen werden) und pflanzt die einzelnen Setzlinge ein. Ich geselle mich zum Bruder des Kollegen, um gemeinsam die ganzen Setzlinge vorsichtig aus der Erde zu ziehen und zusammenzubinden, bevor diese dann von den anderen auf dem ganzen Feld wieder eingesetzt werden.
Nach einer Weile versammeln sich alle am "hadak leten “, einem überdachten Bambussteg, der zu jedem Reisfeld dazugehört, um dort im Schatten zu pausieren oder demjenigen Schutz bietet, der zwei Monate vor der Ernte täglich die Spatzen vertreibt, damit am Ende auch noch was zum Ernten da ist. Als wir alle zusammenkamen, stellte ich schnell fest, dass mein Kollege nach Hause gefahren ist, um zu kochen. So befand ich mich also Kaffee trinkend inmitten lauter unbekannter Gesichter, die eine Sprache sprachen, welche ich nicht so wirklich verstand und das auch noch mitten im Nirgendwo. Und dann kommt es einem wieder in den Kopf: „Was mache ich hier eigentlich?". - Eine im Grunde unnötige Frage, denn was braucht es mehr als frittierte Bananen, Gemeinschaft in der verbindenden Arbeit und timoresischen Kaffee?! Der Arbeitstag endete mit einem gemeinsamen Essen und Gesang und Gitarrenspiel.
Zur Realität gehört natürlich auch, dass nicht alle Tage so bilderbuchmäßig verlaufen, wie eben beschrieben. Im Alltag begegnet man ständig verschiedensten Herausforderungen, die einerseits wohl einfach zum Leben gehören, aber durch die Kulturunterschiede verstärkt werden. So ist es in der Schule nicht immer ganz einfach den Kindern, die eine ganz andere Sozialisierung durchlaufen als wir, Englisch beizubringen. Dazu kommen andere Prinzipien, Glaubenssätze und Werte, deren Priorisierung sich nochmal von dem unterscheidet, was wir kennen. Vielleicht ist das aber eben „die Erfahrung" für beide Seiten, da wir uns in einem Prozess der Integration, aber nicht der Assimilation befinden, der für beide Seiten vorteilhaft sein kann. Ich kann zwar nicht für die andere Seite sprechen, aber ich für meinen Teil stoße hier immer wieder auf Dinge, Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die ich mir selbst nachhaltig angewöhnen möchte. Ich hoffe, dass auch ich ein oder zwei vorteilhafte Gewohnheiten und Verhaltensweisen an den Tag lege, damit es ein gegenseitiges voneinander Lernen ist.
Aufgrund der wertvollen Lektionen und dem, was die Leute einem an Praktischem beibringen, kommt es mir fast paradox vor, weil man doch offiziell gekommen ist, um Unterricht zu geben, man aber selbst doch so oft der Lernende ist.
Ben





